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Keratokonus-Sprechstunde der Universitäts-Augenklinik Bonn

Dr. M. Herwig, Prof. Dr. K. U. Löffler
Terminvereinbarung: 0228 / 287 -15613 oder -15618

Unser Angebot umfasst:

  • Diagnostik: Hornhauttopographie durch Scheimpfluganalyse, Evaluation von Grenzbefunden
  • Therapie: Versorgung durch harte Kontaktlinsen, UV-Crosslinking, Hornhauttransplantation
  • Behandlung von Spezialfällen: Keratektasie nach LASIK, Keratokonus bei Kindern, Keratokonus und Trisomie 21

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Krankheitsbild Keratokonus

Der Keratokonus (auf Deutsch: Hornhautkegel) ist eine angeborene Erkrankung der Hornhaut des Auges, die mit einer verstärkten, unregelmäßigen Wölbung der Hornhaut einhergeht, die meist voranschreitet. Dadurch wird die Funktion der Hornhaut als Fenster und Lupe des Auges beeinträchtigt und die Qualität des auf der Netzhaut erzeugten Bildes leidet - das Sehen verschlechtert sich. Meist tritt ein Keratokonus beidseitig auf, jedoch häufig mit asymmetrischer Ausprägung.

Der Grund hierfür ist eine krankhafte Veränderung der Struktur des Hornhautgewebes, wodurch eine Verdünnung zuerst der unteren, später auch der zentralen Hornhaut mit Vorwölbung entsteht. Hierdurch entsteht das typische klinische Bild einer kegelförmig nach außen gewölbten Hornhaut (s. Abbildung). Die Ursachen hierfür sind weitgehend unbekannt. Es gibt sowohl familiäre Häufungen (erbliche Komponente) wie auch ein sporadisches Auftreten ohne weitere Fälle in der Familie. Man nimmt an, dass häufiges bzw. heftiges Augenreiben über Jahre (beispielsweise bei Allergikern) das Risiko für einen Keratokonus erheblich steigert. Verschiedene okuläre und/oder nicht-okuläre Erkrankungen können mit einem Keratokonus vergesellschaftet sein, z. B.: atopische Dermatitis und Keratitis, Keratokonjunktivitis vernalis (bis zu 35%), Down-Syndrom (mit einer Inzidenz von 5-15%) sowie das Ehlers-Danlos-Syndrom.

Die Häufigkeit des Auftretens der Erkrankung in der Normalbevölkerung beträgt etwa 1 Erkrankung auf 2000 Einwohner.

Die Symptome beginnen meist in der Pubertät bzw. dem jungen Erwachsenenalter und beinhalten eine zunehmende Sehverschlechterung und/oder Zunahme von Kurzsichtigkeit und Astigmatismus (Hornhaut-verkrümmung). Im weiteren Verlauf kann es zu einer sog. Kontaktlinsenintoleranz kommen, bisweilen sogar bis hin zum spontanen Herausfallen der Kontaktlinse.

Die Prognose ist sehr variabel und auch abhängig vom Zeitpunkt der Erstdiagnose. Die Geschwindigkeit des Voranschreitens der Erkrankung ist von Patient zu Patient unterschiedlich, zu jedem Zeitpunkt kann es spontan zu einem Stillstand des Voranschreitens der Erkrankung kommen. Eine Verbesserung tritt jedoch nicht ein. Daher kann schon im jungen Erwachsenenalter eine Intervention nötig werden. Wichtig zu wissen ist, dass es bei einem Keratokonus jedoch praktisch nie zu einer Perforation der Hornhaut kommt.

Generell unterscheidet man 2 Formen des Keratokonus: eine stille Form von einer progressiven (fortschreitenden) Form. Die stille Form ist 10mal häufiger als die progressive Form und erzeugt keinerlei Symptome und ist meist ein Zufallsbefund einer Augenuntersuchung. Die progressive Form ist aggressiver und führt zu einer zunehmenden Vor- und Verwölbung der Hornhaut.

Diagnostik bei Keratokonus

Neben der konventionellen augenärztlichen Untersuchung kommt beim Keratokonus als Spezialdiagnostikum die Beurteilung der Topographie der Hornhaut hinzu. Hierzu kommt ein Scheimpflug- basiertes Verfahren zum Einsatz. Bei einer solchen Untersuchung wird ein schräger Lichtspalt seitlich aufgenommen und somit die Form der Vorder- und der Rückfläche der Hornhaut in verschiedenen Achsen aufgezeichnet. Hieraus werden Krümmungs-, Höhen- und Dickenkarte berechnet. Außerdem können Aberrationen höherer Ordnung bestimmt werden, ein hilfreiches Zusatzkriterium bei der Diagnosestellung.

Besonders interessant sind hier auch die Krümmung in der steilsten Achse sowie die Hornhautdicke an der dünnsten Stelle. Insbesondere bei den fortgeschritteneren Fällen erhält man durch dieses Verfahren verlässlichere Werte als z.B. bei Placido-basierten Geräte.

Therapie des Keratokonus'

Die stille Form muss bei stabilem Zustand nicht behandelt werden. 

  • Die progressive Form wird nach einem Stufenschema behandelt, wobei die Brechungsfehler der Hornhaut zunächst mit Brillengläsern korrigiert werden.
  • Kommt es zu einem Voranschreiten der Krankheit, kommen harte Kontaktlinsen zur Anwendung. Diese bieten die Möglichkeit einer individuellen Korrektur der Keratokonus-typischen unregelmäßigen Hornhautverkrümmung, wodurch sich teilweise eine volle Sehkraft für den Patienten herstellen lässt.
  • Bei weiterem Voranschreiten der Erkrankung steht ein neuartiges Verfahren zur Verfügung, das sog. UV-Crosslinking. Dieses Verfahren wird auch in anderen Fachgebieten der Medizin ( z. B. Orthopädie, Herzchirurgie) seit mehreren Jahren erfolgreich eingesetzt, am Auge wird es etwa seit 10 Jahren angewandt. Es dient der Stabilisierung der Hornhaut, was durch Quervernetzung von Gewebefasern (sog. Kollagenfasern) der Hornhaut erzeugt wird. Im Einzelnen behandelt man die Hornhaut mit einer speziellen Substanz, dem sog. Riboflavin (ein Vitamin B2-Derivat). Damit die Substanz auch gut die Kollagenfasern der Hornhaut erreicht, wird die äußere Schutzschicht der Hornhaut schonend abgetragen (diese regeneriert sich übrigens wenige Tage nach der Behandlung von selbst) und danach Riboflavin getropft. Anschließend erfolgt die eigentliche Quervernetzung, indem die Hornhaut mit einem speziell hierfür entwickelten UV- Licht 30 Minuten lang bestrahlt wird. Am Ende der Behandlung wird eine sog. therapeutische Kontaktlinse auf die Hornhaut gesetzt, diese verbleibt wenige Tage auf dem Auge und sollte nur vom behandelnden Augenarzt entfernt werden. Bei einigen Patienten kommt es nach dem Crosslinking zu einer Verbesserung der Sehkraft.
  • Zuletzt bleibt die Hornhauttransplantation zur Verbesserung des Sehvermögens. Hierbei wird operativ die erkrankte Hornhaut entfernt und durch eine klare Spenderhornhaut ersetzt. Da es sich hierbei um eine Transplantation von Fremdgewebe handelt, verbleiben geringe Restrisiken wie z.B. die Transplantatabstoßung. Meist wird jedoch etwa 2 Jahre nach der Transplantation das bestmögliche Sehen erlangt.

Übrigens: Die Behandlungsoption eines ringförmigen Hornhautimplantats (sogenannter ICR = intracornealer Ring) zur Stabilisierung der Hornhaut wird in unserem Hause nicht angeboten, da diese keine ursächliche Behandlung des Keratokonus darstellt und der zu erwartende Visusgewinn unserer Meinung nach nicht ausreichend ist.

Aktuelle Studien zum UV-Crosslinking-Verfahren bei Keratokonus

  • Riboflavin Mediated Corneal Crosslinking for Stabilizing Progression of Keratoconus, Universitätsklinik Freiburg
  • German Corneal Cross Linking Register, St. Franziskus Hospital Münster
  • Pilot Study of Excimer Laser Topography-Computer Assisted Treatment (T-Cat) Combined With Corneal Collagen Cross-Linking With Riboflavin and UV Light, Moorfields Eye Hospital, GB
  • Corneal Collagen Cross-Linking With Hypotonic Riboflavin in Corneas Thinner Than 400 Microns (HypotonicRibo), Moorfields Eye Department at St. George's Hospital, GB
  • Evaluating Collagen Cross-Linking (CCL) Treatment in Norway, University Hospital of North Norway
  • Treatment of Keratoconus Using Collagen Cross-Linking, Department of Ophthalmology, SUNY at Buffalo
  • Evaluation of Topical Riboflavin Exposed to UVA Radiation and Implantation of Corneal Ring, Federal University of São Paulo
  • Safety and Effectiveness of Collagen Cross Linking in Progressive Mild and Moderate Keratoconus, Federal University of São Paulo
  • A randomized controlled trial of corneal collagen cross-linking in progressive keratoconus: preliminary study, Centre for Eye Research Australia


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